17-alpha-Alkylierung
Die 17-alpha-Alkylierung, kurz 17-aa, ist eine spezielle Veränderung an der 17. Position eines Wirkstoffs, der in erster Linie vor einem vorzeitigen Abbau in der Leber schützen soll. Diese Alkylierung an der 17. Position ist speziell bei Steroiden beliebt, die oral nur schwer verfügbar sind und ohne genannte Alkylierung zum größten Teil nach der Einnahme von der Leber deaktiviert würden. Der Vorteil einer solchen 17-alpha-Alkylierung wäre somit erklärt.
Als Nachteil wäre eine erhöhte Leberbelastung zu nennen, was zu Leberfunktionsstörungen, im schlimmsten Fall sogar zu Leberschäden und –tumoren (Oxymetholon stellt das einzige Steroid dar, bei dem Leberkrebs als mögliche Nebenwirkung im Beipackzettel erwähnt wird) führen kann. Aus diesem Grund wird von Experten empfohlen, 17-alpha-alkylierte Steroide nicht länger als 4-8 Wochen am Stück einzunehmen, mit anschließender mindestens genauso langen Einnahmepause, in der die Leber sich regenerieren kann. Vorsorgende Athleten benutzen parallel den leberschützenden Pflanzenextrakt Sylimarin bzw. N-Acetyl-Cystein – eine Aminosäure, die oxidativen Stress auf die Leber verringert.
Zu den 17-alpha-alkylierten Steroiden zählen u.a. Methandienon (siehe Dianabol), Oxymetholon (siehe Anapolon®), Stanozolol (siehe Winstrol) und Fluoxymesteron (siehe Halotestin). Interessant im Zusammenhang mit Stanozolol ist, dass auch die injizierbare Variante 17-alpha-alkyliert ist und somit ebenfalls einen gewissen Stress für die Leber bedeutet, wenngleich auch nicht so intensiv wie die Tabletten-Variante.
Erwähnenswert im Zusammenhang mit 17-alpha-alkylierten Steroiden ist, dass im Hobbybereich durchaus die Gefahr der erhöhten Leberbelastung bekannt ist und dementsprechend entsprechend alkylierte Steroide mit Bedacht eingesetzt werden, während es im Profi-Bodybuilding-Bereich durchaus üblich ist, bis zu 100 Tabletten Methandienon (500mg!) oder bis zu 10 Tabletten Oxymetholon (500mg!) zu verwenden. Aus Gesprächen mit Top-Profis wissen wir, dass diese Dosierungen keineswegs der Fantasie sensationslustiger Reporter entstammt, sondern leider real sind und zu den Risiken gehört, die ein Profi-Bodybuilder eingehen muss, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.
Der Mythos, dass die 17-alpha-Alkylierung ein Steroid anaboler oder androgener macht, muss nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft jedoch entkräftet werden. Dieses Gerücht ist erstmalig aufgekommen, nachdem in einigen Publikationen darauf hingewiesen wurde, dass Methandienon nichts weiter als 17-alpha-alkyliertes Boldenon (Ganabol) ist. Übersehen wurde hierbei jedoch, dass Boldenon durchaus androgener und anaboler wirkt, als lange Zeit angenommen wurde.

