Designersteroide
Anabole/androgene Steroide haben alle eines gemeinsam: Ihr chemisches Grundgerüst basiert entweder auf Testosteron, Dihydrotestosteron oder Nandrolon (Nortestosteron). Durch Veränderungen an diesen chemischen Grundgerüsten können neue anabole/androgene Steroide synthetisiert werden - die so genannten Designersteroide.
Nehmen wir als Beispiel Stanozolol. Das Stanozolol-Molekül baut auf Dihydrotestosteron auf und wurde so verändert, dass es diesem zwar noch ähnelt, aber dennoch ein eigenständiger Wirkstoff ist. Hier spricht man von einem Derivat, also einem abgeleiteten Stoff ähnlicher Struktur, im Falle von Stanozolol von einem Dihydrotestosteron-Derivat. Dies ist noch kein Designersteroid.
Beim Stanozolol wurde dem Dihydrotestosteron-Molekül ein so genannter Pyrazol-Ring angehängt, durch den eine Bindung am Androgenrezeptor möglich ist. Hierdurch kann Stanozolol, anders als Dihydroteston, im Muskelgewebe anabol wirken.
Es gibt eine Reihe an bekannten und erforschten Steroiden, die alle auf den drei Grundgerüsten Testosteron, Dihydrotestosteron und Nandrolon (Nandrolon) basieren. Alle wurden entweder für die Human- oder die Veterinärsmedizin synthetisiertund auf den Markt gebracht oder einfach nur erforscht. Es ist bekannt, dass einige hundert, wenn nicht tausend, unterschiedliche Steroide synthetisiert und erforscht wurden. Eine gute Übersicht über eine Vielzahl der bekannten Steroide und Designersteroide liefert das Buch “Anabole Steroide - Das Schwarze Buch“.
Dadurch, dass die drei Grundgerüste jedoch in jeder beliebigen Form abänderbar sind, ist natürlich die Erschaffung einer Vielzahl bis dato vollkommen unbekannter Steroide möglich - die so genannten Designersteroide. Und das ist nun der Punkt, an dem es für jene Zielgruppen interessant wird, die bei Wettkämpfen auf die bekannten Steroide getestet werden und nicht des Dopings überführt werden wollen. Man kreiiert einfach ein bislang unbekanntes Designersteroid, für das es auch noch keinen Dopingtest gibt und kann so unbemerkt dopen. Alternativ nimmt man eines der hundert, wenn nicht tausend, bereits erforschten Steroide, das jedoch keine der in gängigen Dopingtests nachweisbaren Metaboliten absondert.
So oder so ähnlich dachten es sich viele Athleten, die beispielsweise BALCO vertrauten. Dieses amerikanische Labor stellte das durch die weltweiten Medien gegangene Designersteroid THG (Tetrahydrogestrinon) her, da so lange bei Dopingtests unbemerkt blieb, bis jemand eine Probe in einer benutzten Spritze an ein Dopinglabor schickte und daraufhin ein Test entwickelt werden konnte. Doch schon lange vor THG gab es von BALCO ein Designersteroid - Norbolethon (Genabol), mit dem u.a. die Radrennfahrerin Tammy Thomas erwischt wurde.
Designersteroide wie THG werden von einem der eingangs erwähnten Grundgerüste - Testosteron, Dihydrotestosteron oder Nandrolon (Nortestosteron) abgeleitet - je nachdem, welche Wirkung erwünscht wird. Ein Designersteroid, das nicht zu Östrogenen konvertieren sollte, basiert auf Dihydrotestosteron, da sowohl Testosteron als auch Nandrolon zu Östrogenen umgewandelt werden können, Dihydrotestosteron jedoch nicht. Wird ein eher anabol wirksames Designersteroid mit nicht übermäßiger Androgenität erwünscht, wird Nandrolon (Nortestosteron) als Grundgerüst genommen. Ein Designersteroid, das sowohl stark anabol als auch androgen (mittels Konvertierung zu Dihydrotestosteron) sein soll und dabei ruhig aromatisieren kann, basiert in aller Regel auf Testosteron - dem König der anabolen/androgenen Hormone.
Die bekanntesten Designersteroide sind THG (Tetrahydrogestrinon), Norbolethon und Metribolon (Methyltrienolon). Es gibt jedoch noch eine Vielzahl anderer Designersteroide, die speziell in den USA als legale Steroidalternativen verkauft wurden und teilweise immer noch werden.
Die Gefahren von Designersteroiden liegen zum einen in den bekannten Nebenwirkungen der Grundgerüste selbst, zum anderen aber in der Unerforschtheit des neuen Stoffs selbst, da hierzu natürlich keine Langzeitstudien in vivo vorliegen und somit kein Hersteller/Anbieter von Designersteroiden etwas zu den Langzeitfolgen sagen kann.
Es kann davon ausgegangen werden, dass sich noch eine Vielzahl weiterer, bislang unentdeckter Designersteroide im Umlauf befinden. Den nächsten Schritt in Richtung Designersteroid bilden die so genannten SARMs - die selektiven Androgenrezeptoren-Modulatoren, die eine anabole und androgene Wirkung im Muskelgewebe, jedoch nicht in anderen Geweben vermitteln.
