Homebrewing / Homebrewer
Das Homebrewing beschreibt einen Trend, der vor einigen Jahren aus den USA nach Deutschland herüber geschwappt ist. Da in Amerika die Gesetzeslage sehr hart ist und anabole/androgene Steroide mit harten Drogen gleichgesetzt sind, gestaltet sich die Beschaffung von originalen Markenpräparaten schwieriger als hierzulande. Aus dieser Not haben viele Amerikaner eine Tugend gemacht und sich mittels einer Gesetzeslücke ein Hintertürchen gebaut.
Da in den USA zum Beispiel Wirkstoffe, die weder injiziert noch oral verabreicht werden, nicht unter das sehr strikte Abgabengesetz für Medikamente fallen, sind Implantate, die Mastvieh als Depot unter die Haut gesetzt werden, frei erhältlich. Eines dieser Implantate ist Finaplixx-H mit dem Wirkstoff Trenbolon Acetat.
Mit Finaplixx-Pellets, die normalerweise mittels einer speziellen Pistole ins Muskelfleisch des lebenden Tieres implantiert werden, fing das Homebrewing in den USA an. Verzweifelte Bodybuilder besorgten sich genannte Finaplixx-Pellets, zerbröselten diese, mischten sie mit Öl und Benzylalkohol, filterten die nun extrem trübe Brühe und fertig war das „eigengebraute“ Fina.
Nachdem Bodybuilder mit „Research Chemicals“ – chemischen Substanzen, die zu wissenschaftlichen Zwecken frei verkäuflich sind – eine zweite Hintertür entdeckt hatten, stand dem großangelegten Homebrewing nichts mehr im Wege. Da Wirkstoffe wie Clenbuterol, Clomifen und Aromatasehemmer als Research Chemicals gelten, konnte fortan jeder sein eigenes Homebrewing-Labor betreiben. Der Haken an der Sache: die Herstellung von Dopingmitteln und speziell der Verkauf sind jedoch nicht gestattet.
Diesem Trend folgten die Europäer kurze Zeit später und gingen sogar noch einen Schritt weiter: mit Hilfe des Internets machten sie chinesische Anbieter von Steroid-Rohstoffen aus, die gegen Bargeld mittels Übermittlungsdiensten wie Western Union gerne die speziell für die Zollabfertigung falsch deklarierten Steroide (aus Testosteron Enantat wurde dann schnell mal Dünger oder Süßstoff) direkt zum Homebrewer nachhause schickten. Parallel hierzu wurden in den verschiedenen Anabolika-Foren Rezepte veröffentlicht, nach denen sich jeder mit der nötigen Ausstattung seine Steroid-Lösungen und Tabletten von nun an selber zusammenbrauen konnte.
Viele übertreiben es seitdem und verkaufen ihre selbstgepanschten Mittelchen als so genannte „Homebrewer“ im Internet an Endkunden, die sich dann, allen bekannten Risiken zum Trotz, ihre Homebrewing-Ware injizieren oder schlucken und damit dann sogar noch in den einschlägigen Anabolika-Foren angeben. Da prahlt einer mehr als der andere, was er doch für tolle Kontakte zu Homebrewer XY hat und dass seine Ware doch viel besser als die von Homebrewer YZ sei. Das Homebrewing war wahrscheinlich immer schon eine Art Subkultur und wird es, nicht zuletzt wegen zuletzt genannter Problematik, immer bleiben.


