Rezeptorensättigung
Ein Mythos, der bereits seit Jahrzehnten besteht und einfach nicht aus den Köpfen der Anabolika-Verwender verschwinden will, ist der, dass Steroide eine Rezeptorensättigung bewirken. Ursprung dieses Unsinns ist höchstwahrscheinlich die Tatsache, dass die meisten Steroide nach einer gewissen Zeit der Anwendung „nicht mehr richtig wirken“.
Besonders auffällig ist dies bei Steroiden, die schnell Masse drauf packen, beispielsweise Methandienon (Dianabol) und Oxymetholon (Anapolon/Anadrol). In den ersten Wochen der Einnahme sind oftmals schier unglaubliche Körpergewichtssteigerungen von mehreren Kilogramm möglich und die Muskulatur wirkt unheimlich prall und voll. Doch nach einigen Wochen stagnieren die Zunahmen und der Zeiger der Körperwaage will sich einfach nicht mehr in die anvisierte Richtung bewegen. An diesem Punkt angelangt, sprechen die „Anabolika-Gurus“ von einer Rezeptorensättigung. Die Androgenrezeptoren können keine weiteren Steroidmoleküle mehr aufnehmen und jede weitere Zufuhr der benutzten Steroide ist sinnlos, so zumindest die „Experten“.
Würde es so etwas wie eine Rezeptorensättigung geben, warum produziert unser Körper dann mehrmals täglich Testosteron? Nach Meinung der „Experten“ sind die Androgenrezeptoren doch nach einer gewissen Zeit belegt und somit dürfte doch kein Testosteron mehr andocken können. Und dennoch produziert unser Körper Tag für Tag dieses Hormon und es wird auch in den meisten Fällen (sofern keine Krankheiten vorliegen) hervorragend verwertet. Würde es so etwas wie eine Rezeptorensättigung geben, dann könnte unser Körper das selbsthergestellte Testosteron doch gar nicht verwerten.
Fazit: Eine Rezeptorensättigung im Bereich der anabol/androgen wirkenden Steroiden gibt es nicht! Das Gegenteil ist der Fall: Je mehr Androgene von außen zugeführt werden, desto mehr Androgenrezeptoren werden vom Körper gebildet – und das ist wissenschaftlich belegt!
Doch warum dann die Stagnation nach einigen Wochen der Steroideinnahme? Die Antwort ist so einfach wie offensichtlich: In den ersten Wochen erhöht der Körper durch die gesteigerte Creatinsynthese erst einmal das Muskelzellvolumen. Je nach Veranlagung des Anwenders kommt dann noch ein gewisses Maß an Aromatisation hinzu, die zugeführten Steroide werden also teilweise in Östrogene umgewandelt, die wiederum Wasser im Unterhautfettgewebe speichern. Das „Wasserziehen“ der Muskulatur und des Unterhautfettgewebes erklärt die oftmals schnellen Gewichtszunahmen zu Beginn einer Anabolika-Kur, die natürlich im Laufe der Zeit nicht weiter zunehmen, sondern auf einem konstanten Level bestehen bleiben. Reine Muskelmasse wird erst nach mehreren Wochen der Anwendung aufgebaut und dann auch nur, wenn das Training intensiv genug ist und ausreichend hochwertige Nahrung zugeführt wird.
Vergessen Sie also den Mythos „Rezeptorensättigung“. Dieser ist genauso überholt wie die Behauptung, Testosteron Propionat würde weniger Wasser „ziehen“ als Testosteron Enantat!
