Veterinär-Steroide
Veterinär-Steroide sind, wie der Name bereits vermuten lässt, Steroide aus der Veterinärmedizin. Steroide können bei entsprechender Indikation nicht nur Menschen, sondern auch Tieren verschrieben werden. Speziell bei Knochenbrüchen und allgemein schlechtem Zustand werden Tieren Steroide verabreicht, in der Regel ausschließlich in Form einer Injektion.
Zwar können Tieren alle gängigen Präparate aus der Humanmedizin verabreicht werden, sofern es sich um denselben Wirkstoff handelt (z.B. Blutdrucksenker oder Diuretika), allerdings gibt es auch spezielle Mittel, die ausschließlich in der Veterinärmedizin verwendet werden, da sie speziell für die Verwendung bei Tieren hergestellt und erforscht wurden.
Das bekannteste Steroid aus dieser Gruppe ist das Boldenon, welches in Südamerika mit einem Undecylenat-Ester in Form des weltweit bekannten Ganabol® angeboten wird. Die kolumbianische Pharmafirma Laboratorios VM brachte Ganabol® speziell für die Aufzucht und Gesundung von Schafen, Rindern und Pferden auf den Markt. Für die Humanmedizin ist Boldenon niemals erforscht, geschweige denn freigegeben worden, daher gilt Boldenon als reines Veterinär-Steroid.
Athleten, die die positiven Wirkungen dieses vorrangig anabolen Steroids genießen wollten, waren daher eine lange Zeit auf Präparate aus der Veterinärmedizin angewiesen. Eine einzige Ausnahme stellte das Präparat Boldenone Undecylenate USP XXIV 50mg vom über 20 Jahre alten Untergrundlaboratorium International Pharmaceuticals dar, das von Beginn an ausschließlich für den Anabolika-Schwarzmarkt und nicht für Tiere bestimmt war. Veterinär-Steroide sind heutzutage nicht mehr allzu häufig im Gebrauch, Grund hierfür ist definitiv die Masse an verschiedenen Untergrundlaboratorien, die alle Veterinär-Steroide auch für den Gebrauch in der Humanmedizin anbieten. Beispiele hierfür sind das zuvor angesprochene Boldenon, aber auch Trenbolon Acetat, das ebenfalls niemals für die Humanmedizin zugelassen war (nicht zu verwechseln mit Trenbolon Hexahydrobenzylcarbonat – „Parabolan“).
Veterinär-Steroide werden im europäischen Raum ausschließlich zur Rekonvaleszenz, beispielsweise nach Knochenbrüchen, eingesetzt, während sie in ärmeren Ländern wie Südamerika auch häufig zum Muskelaufbau eingesetzt werden, da ein Muskel ja nichts anderes als Fleisch ist. Je mehr Fleisch ein Rind aufbaut, desto lukrativer die anschließende Schlachtung.
Der Einsatz von Veterinär-Steroiden bei Menschen ist mehr als bedenklich. Zum einen sind Steroidwirkstoffe wie Boldenon und Trenbolon Acetat niemals beim Menschen getestet worden, zum anderen ist die Sterilität bei Produkten für die Veterinärmedizin niemals mit der von Medikamenten für die Humanmedizin zu vergleichen. Das in den 80er Jahren bekannte „Ganabol®-Fieber“, bei dem Anwender kurz nach der Injektion mit fieberartigen Symptomen zu kämpfen hatten, waren nämlich nichts anderes als eine Reaktion des Körpers auf unsterile Injektionslösungen. Selbiges auch bei Trenbolon-Acetat-Injektionen, die aus Finaplix®-H-Pellets hergestellt wurden. Sobald auf Produkte von Untergrundlaboratorien umgeschwenkt wurde, waren genannte Nebenwirkungen plötzlich verschwunden, was deutlich gegen die Qualität von Veterinär-Steroiden spricht.
Einzige Ausnahmen stellten die besonders in Deutschland und Holland beliebten Veterinär-Steroide Vebonol® (Boldenon) und Laurabolin® 50 (Nandrolon Laurat) dar, da diese in Deutschland unter den gleichen hygienischen Bedingungen wie in der Humanmedizin hergestellt wurden. Bedenklich waren hier lediglich die sehr großen 50ml-Vials, da Multi-Injektions-Vials generell nach der ersten Entnahme nicht lange steril bleiben.

